Was ist eine Normenpyramide oder eine Normenhierarchie?

Diese Begriffe bezeichnen die Spielregeln für die Anwendung verschiedener Rechtsquellen.

Beispiel Nr. 1:

Der Arbeitnehmer Fleißig hat einen Arbeitsvertrag.

Nach diesem Vertrag stehen ihm 30 Urlaubstage zu.

Daneben existiert ein Tarifvertrag, der weil Fleißig Mitglied einer Gewerkschaft ist, auf sein Arbeitsverhältnis Anwendung findet.

Nach dem Tarifvertrag stehen Fleißig nur 28 Urlaubstage zu.

In diesem Beispiel hat der Arbeitsvertrag, der für den Arbeitnehmer eine günstigere Regelung enthält, Vorrang, so dass der Arbeitnehmer sich auf 30 Tage Urlaub freuen kann.

Beispiel Nr. 2:

Gemäß § 622 Absatz 3 BGB kann das Arbeitsverhältnis innerhalb der Probezeit mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt werden.

Im Tarifvertrag, der auf das Arbeitsverhältnis von dem Arbeitnehmer Fleißig Anwendung findet, steht, dass das Arbeitsverhältnis innerhalb einer Probezeit von einem Monat mit einer Frist von 2 Tagen gekündigt werden kann.

Grundsätzlich gilt die für den Arbeitnehmer günstigere Regelung!

Hier also nach herrschender Auffassung die längere Kündigungsfrist, weil sie dem Arbeitnehmer mehr Schutz bietet (Das kann man auch durchaus anders sehen!).

Aber Achtung: keine Regel ohne Ausnahme.

Lässt das Gesetz eine zum Nachteil des Arbeitnehmers abweichende Regelung zu, so gilt diese.

Im § 622 Absatz 4 BGB sagt das Gesetz gerade, dass für die Kündigungsfristen abweichende Regelungen durch Tarifvertrag vereinbart werden können.

Für unseren Fall im Beispiel Nr. 2 heißt es: Die Kündigungsfrist beträgt 2 Tage.